Rettet das Greut

Die Esslinger Baupolitik steht seit langem in der Kritik. Im Zuge der Dis­kussion über neue Bauflächen („Flächennutzungsplan 2030“) kam es im Jahr 2013 nach heftigen Protesten der Bevölkerung, die sich vom eigen­mäch­tigen Vorgehen des OBs und der Stadtverwaltung übergangen und nicht eingebunden fühlte, zu einem groß angelegten „Bürgerdialog“. Mit diesem sollten städtebauliche Interessen mit denen der Bürger zusammen­geführt werden und so eine möglichst sachliche Diskussion und Entschei­dung im Gemeinderat vorbereitet werden.

Nachdem eine Bebauung des grünen Paradieses „Greut“ bereits in den 70er und 80er Jahren aufgrund der erheblichen ökologischen Bedeutung als Frisch­luftschneise gescheitert war, wurde das Gebiet einer erneuten Prü­fung unterzogen. Bereits 1988 lautete das zusammenfassende Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung „Bebauung ... ist nicht umwelt­verträglich“.

Das Ergebnis der neuerlichen Prüfung und die darauf aufbauende Empfeh­lung an den Gemeinderat lautete erwartungsgemäß wie folgt: „Aufgrund der Intensität der landschafts­ökologischen Restriktionen erfolgt ... nur eine nachgeordnete Priorisierung, während die Flächenanteile in den Rand­bereichen grundsätzlich nicht empfohlen werden.“ Folgerichtig wurde das Gebiet in den Beschlüssen des Gemeinderats 2015 nur als sog. Nachrücker eingestuft.

Aufgrund des erkennbaren Interesses eines Bauträgers war es für die Anwohner allerdings nur eine Frage der Zeit, bis eine Bebauung über Umwege und am Bürgerdialog vorbei wieder ermöglicht werden sollte.

Die Gründe gegen eine Bebauung des „Greuts“ in der Vergangenheit haben aufgrund der seitdem drastisch gestiegenen Feinstaubbelastung in der Region Stuttgart mehr denn je Gültigkeit. Zu nennen sind u.a.:

-     Verlust von Kaltluftentstehungsflächen und Durchlüftungsachsen mit sehr hoher Bedeutung, was zu einer Beeinträchtigung des Kaltluftabflusses führt. Durch den vernetzten Frischluftverbund, der sich von der Katharinenlinde bis in die Esslinger Innenstadt erstreckt, hat dies großflächige Auswirkungen auf „die Siedlungsdurchlüftung ... der Esslinger Kernstadt“.

-     Problematischer Verkehrsanschluss über die bereits heute überlastete Krummenackerstraße/Alexanderstraße.

-     Artenschutzrechtliche Konflikte als Habitat von europarechtlich geschützten Arten (z.B. seltene Fledermäuse und der besonders geschützte Wendehals).

-     Versiegelung von Flächen mit hoher Bedeutung für die landwirtschaftliche Nutzung und für Erholung.

-     Lage im planungsrechtlich und städtebaulich nicht priorisierten Außenbereich ohne fußläufig erreichbare Nahversorgungsangebote.

-     Unvermeidliche Beeinträchtigung des für das Ökosystem lebensnot­wendigen Bachlaufs.

-     Keine Trennkanalisation vorhanden (hier muss dann wohl die für den Bauträger billigere, aber umweltfeindliche Mischkanalisation herhalten).     (Quelle: Vorlage des Stadtplanungsamts an den Gemeinderat vom 17.06.15)

Allen ökologischen Bedenken und den Erkenntnissen des Bürgerdialogs zum Trotz wurde jetzt die Bebauung des Greuts von OB und Stadtverwaltung in einer Nacht- und Nebelaktion kurz vor Weihnachten in den Gemeinderat gebracht und mit dem Zwang zu kurzfristig zu schaffendem Wohnraum in Esslingen als alternativlos durchgesetzt. Der groß angelegte und sehr teure „Bürgerdialog“, dessen Ergebnisse der Gemeinderat erst im Juli 2015 verab­schiedet hatte, wurde damit endgültig zur Makulatur.

Das „Greut“ soll nun mit 106 Einheiten extrem verdichtet und äußerst zeitnah bebaut werden. Aufgrund des Zeitdrucks werden irreparable Folgen in Kauf genommen – Nachhaltigkeit sieht anders aus!

 

Im Sinne aller Esslinger Bürger fordern wir: 

 

  • Neutrale und unabhängige Prüfung des Bauvorhabens und seiner Umwelteffekte.
 
  • Umfassende Berücksichtigung der ökologischen Bedenken, die eine Bebauung des  Greuts nicht erlauben.
   

 

 

(für den Verein "Rettet das Greut"  Friedemann Bayer, Dr. Reiner Dietrich, Oliver Herrmann-Kasten, Dr. Jürgen Rapp und Patrick Störmer)

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